Kintsugi (Goldverbindung), oder manchmal auch Kintsukuroi (Goldreparatur), ist eine traditionelle künstlerische Reparaturtechnik aus Japan. Sie findet Anwendung bei Keramik, Porzellan und Glas. Vom Zen-Buddhismus beeinflusst, entwickelte sich Kintsugi im 16. Jahrhundert und ist ein Ausdruck von Wabi-Sabi.

„Wenn ein Objekt oder ein Ausdruck in uns ein Gefühl der tiefen Melancholie und eines spirituellen Sehnens hervorruft, dann kann man sagen, dieses Objekt sei Wabi-Sabi.“

Andrew Juniper

„Es nährt alles, was authentisch ist, da es drei einfache Wahrheiten anerkennt: nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt.“

„Beschränke alles auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie. Halte die Dinge sauber und unbelastet, aber lasse sie nicht steril werden.“

Richard R. Powell

Wabi-Sabi ist das ästhetische Konzept der Wahrnehmung von Schönheit im Einfachen, Fehlerhaften und Vergänglichen. Kintsugi hebt den Makel ästhetisch hervor. Nur wenige Menschen in Europa beherrschen die historische Kintsugi-Technik.

Teeschale, Korea, Joseon-Dynastie 16. Jahrhundert, AD Mishima Hakeme, Typ Buncheong-Ware, Steinzeug

Teeschale, Korea, Joseon-Dynastie 16. Jahrhundert, AD Mishima Hakeme, Typ Buncheong-Ware, Steinzeug mit weißer Engobierung und durchscheinender grünlich-grauer Glasur, Kintsugi Goldlack, Ethnologisches Museum Berlin.

 

Ein Beispiel für das, was bei der Anwendung von Kintsugi geschieht

Es werden Scherben einer zerbrochenen Keramik mit einer besonderen Klebermischung aus Urushi verbunden. Urushi ist ein Naturlack, der bei uns auch als Japanlack bekannt ist. Er wird schon seit mehreren tausend Jahren zum Kleben von Keramik genutzt.

Nach der Aushärtung der Verbindung (es kann 3 Wochen oder länger dauern) werden auf die Klebenähte mehrfach weitere Schichten Urushi aufgetragen. Jede Schicht wird mit Holzkohle eben geschliffen. Ist das Ergebnis zufriedenstellend, bestreut man die noch feuchte letzte Schicht mit Metallpulver. Meist Gold (Kintsugi) oder Silber (Gintsugi) oder man lässt es einfach ganz ohne (Urushi-Tsugi).

Es gibt noch mehr Möglichkeiten:

  • Yobitsugi = Scherben anderer Keramiken oder auch Holz werden in Fehlstellen eingesetzt.
  • Makienaoshi = Die Fehlstelle wird mit einer Urushi-Füllmasse und mehreren Schichten Urushi ersetzt. Oftmals versieht man sie danach nicht mit Gold oder Silber, sondern mit einem Muster, welches z.B. der Ursprungskeramik nachempfunden ist.

Urushi braucht sehr lange zum aushärten (Polymerisation) und dafür bestimmte Klimavoraussetzungen. Ich benutze hierfür einen Feuchtschrank (= Urushi-Furo). Die Materialien, die hierbei verwendet werden, sind natürlichen Ursprungs und nach der Aushärtung völlig ungiftig, vorausgesetzt es wird reines Gold oder Silber verwendet.

Das Ergebnis ist immer ein Unikat, schöner und wertvoller als zuvor

Ein profaner persönlicher Alltagsgegenstand aus Keramik, versehentlich zerbrochen, kann durch die Kintsugi-Restaurierungstechnik zu einem individuellen Kunstwerk und Kulturgut werden.

Jedes Stück, das den Weg zu mir findet, ist für mich etwas besonderes, ich schenke ihm durch meine Hände ein neues Leben als Kunstwerk. Jedes Teil hat eine Geschichte und sie interessiert mich sehr.

Die Zeit heilt alle Wunden

Diese historische Technik erfordert viel Wissen, Erfahrung und handwerkliches Geschick. Der ganze Arbeitsprozess ist sehr zeitaufwendig und verlangt viel Geduld und Ausdauer. Sie sollten mit einer Wartezeit von bis zu einem halben Jahr einverstanden sein, wenn Sie eine Reparatur in meiner Werkstatt wünschen.

Mehr über mich und meine Kintsugi-Kunst erfahren Sie auch in diesem Fernsehbeitrag